Kartenspiele in Ägypten



Es ist bei so vielen Dingen in unserem heutigen Alltag der Fall: Über den exakten Ursprung und die Geschichte dahinter weiß man oft nicht so richtig bescheid. Gleiches gilt in Bezug auf die heutigen Kartenspiele. Zwar gibt es eine Vielzahl an Hinweisen, die Rückschlüsse auf die Geschichte der Kartenspiele erlauben, zu 100% lässt sich der Werdegang der Spiele, wie wir sie heute kennen – von denen es inzwischen wie auf Kalaydoskop aufgelistet eine Vielzahl gibt – allerdings nicht bestimmen. Eines steht jedoch fest: Mit Funden, die bis in das 14. Jahrhundert zurückgehen, spielte Ägypten eine maßgebliche Rolle bei der Entstehung der heutigen Spielkarten. Die Geschichte Ägyptens geht weit zurück, da ist es nicht verwunderlich, dass Ägypten auch bei der Entwicklung der beliebten Spielkarten mitgewirkt hat.

Vom Fernen Osten nach Ägypten



Die ältesten Funde von Karten führen uns nach China. Zwar datieren die frühsten chinesischen Quellen bereits vor der christlichen Zeitrechnung, wo erstmalig von Karten berichtet wurde, die mit Figuren und Symbolen bemalt wurden. Wie man heute vermutet, wurden diese jedoch lediglich zu mystischen Zwecken und weniger zum Zeitvertreib verwendet. Die ältesten Spielkarten in China sollen schließlich während der Tang-Dynastie zwischen 600 und 900 n. Chr. entstanden sein. Da zu dieser Zeit noch kein Papier erfunden war, wurden Fliesen aus Knochen oder Elfenbein verwendet, um zu spielen. Nach der revolutionären Erfindung des Papiers wurden ab dem 12. Jahrhundert Spielkarten aus Papier mit verschiedenen Symbolen wie etwa Bambus, Schlagstöcken, Münzen und Zahlen verziert, genutzt.

Ägypten Sehenswürdigkeiten
Die Sphinx und Pyramiden von Gizeh



Schon bald darauf verbreiteten sich die Karten gen Westen, wo sie schließlich Ägypten erreichten. Hier wurden die Spielkarten durch kulturelle Einflüsse so gestaltet, dass sie schon bald stark an die Kartenspiele erinnerten, die wir heute kennen. Vier verschiedene Farben, Kartenreihen und Bildkarten wurden hier erstmalig eingeführt und legten den Grundstein der Entstehung von Kartenspielen in ihrer modernen Form.

Das mamlukische Kartenspiel in Ägypten



Im 14. Jahrhundert hatten die Ägypter bereits Kartensets mit 52 Karten und vier verschiedenen Farben, zehn Zahlenkarten und drei Bildkarten. Dieses sogenannte mamlukische Kartenspiel wurde inspiriert von militärischen Befehlshabern als Vorbilder für die Bildkarten: malik war der König, n?'ib hieß der Gouverneur und n?'ib th?ni der Vize-Gouverneur. Die Symbole, die zu dieser Zeit verwendet wurden, entsprachen nicht etwa den Piktogrammen der ägyptischen Hieroglyphen, sondern es wurden Stöcke, Münzen, Tassen und Schwerter verwendet, die auch die heutigen Symbole vielerorts geprägt haben.

Der Weg nach Europa



Es dauerte ab diesem Zeitpunkt nicht mehr lang, bis sich die Spielkarten weiterverbreiteten und schließlich über die Grenzen Ägyptens hinaus nach Europa kamen. Es wird vermutet, dass es Händler waren, die im 14. Jahrhundert die Karten aus Ägypten nach Italien brachten. Die erste schriftliche Aufzeichnung mit Bezug auf ein Kartenspiel datiert in das Jahr 1376 zurück. In Florenz wurde die Schrift „ludus, qui vocatur naibbe“ gefunden, die „das Spiel, das naibbe genannt wurde“ verbot. Dies war die erste Aufzeichnung eines Kartenspiels in Europa – außerdem auch das erste dokumentierte Verbot eines solchen. Was diese Schrift ebenfalls zu verstehen gibt, ist, dass das Kartenspiel als Glücksspiel seinen Weg nach Europa fand. Kurz auf das Verbot im Stadtstaat Florenz folgten auch Verbote in anderen Ländern. Anhand der vielen Verbote der anderen Länder lässt sich erkennen, wie schnell sich das Kartenspiel im europäischen Raum verbreitete und an Beliebtheit gewann. Durch die Erfindung des Buchdrucks im 15. Jahrhundert wurde die Massenherstellung von Spielkarten möglich, was, wie es Betway in der Geschichte des Casinos berichtet, letztendlich auch die Entstehung des ersten Casinos im 17. Jahrhundert in Venedig ermöglichte. Von da us verbreitete sich die Institution des Casinos rasant, was sicherlich auch der Beliebtheit von Kartenspielen wie Faro/Pharaoh auf die Sprünge geholfen hat. Dieses Kartenspiel verrät mitunter ebenfalls seine ägyptische Inspiration.

Die verschiedenen Versionen



Je mehr sich die Kartenspiele über Europa verteilten, desto mehr verschiedene Versionen der Karten entstanden schließlich basierend auf unterschiedlichen kulturellen Einflüssen. Dabei variierten sowohl die Symbole als auch die Farben. Während in Spanien und Italien ähnliche Symbole wie diejenigen aus Ägypten beibehalten wurden, erschienen in Deutschland Karten mit Herzen, Glocken, Blättern und Eicheln. Die Symbole, die heute die meisten Spielkarten schmücken, kommen dagegen aus Frankreich, denn hier wurden Pik, Karo, Kreuz und Herz eingeführt. Nicht zuletzt ist es auch der großen Druckerei in Lyon zu verdanken, dass sich das französische Deck am meisten verbreitet hat.

Seither ist das Marktvolumen von Kartenspielen stetig gestiegen, laut laut Statista liegt der europäische Umsatz im Segment Kartenspiele 2018 bei 615 Millionen Euro, mit einem jährlichen Wachstum von 1,6%. Seit der Entstehung der ersten Spielkarten aus China und Ägypten hat sich auf dem Gebiet also so einiges getan. Von einzigartigen Spielkarten, die Unikate waren, über das Verbot des Spielens bis hin zu etablierten Formen des Spiels in Casinos sowie Kartenspielen aller Art, haben sich die Spielkarten als weltweites Massenphänomen entwickelt.